Mikroblasen Abgesandt von Horst R. am 19.11.2007 - 19:13:
Hallo, entstehen eigentlich immer Mikroblasen beim Auftauchen ?
Weil Tauchergockel meinte am: 19.11.2007 - 18:38 : Wachstum von Mikroblasen werden reduziert wenn man mit Nitrox Auftaucht ….
Horst R..
Antwort von Oliver2 am 19.11.2007 - 20:26 Jepp---Mikro Blasen gibt es immer und ständig im Körper, hat also mal nix mit tauchen zu tun.
Diese Blasen entstehen an den Spitzen der Herzklappen durch Kavitation (einfach mal googeln, falls es dich tiefer interessiert).
Diese Blasen fallen nach einer Strecke von wenigen Zentimetern, wenn sich die Druckverhältnisse im Blutgefäß wieder normalisiert haben, wieder in sich zusammen. Soweit so gut, völlig normal.
Beim tauchen aber bewegen sich diese Blasen in einem mehr oder weniger gesättigtem Medium. Beim Auftauchen, wenn du dich im Entsättigungszustand befindest, hat das im Blut gelöste Gas ja den "Drang" dort wieder herauszukommen und jetzt können zwei Dinge passieren:
1. die Mikrobläschen (bis hierher noch völlig normal) werden vom aus der Lösung herausdrängenden Gas "versorgt" und wachsen---Ab hier wird es komisch, denn jetzt fallen sie eben nicht mehr in sich zusammen!!!
2. die Mikroblasen fungieren als Blasenkeim (ähnlich dem Reiskorn im Weizenbier oder dem Mousierpunkt in guten Sekt- oder Champagnergläsern) Sie regen das Gas dazu an, aus der Lösung zu treten--Auch komisch!!!
Deshalb: Sehr bedacht und dem Druckabfall entsprechend auftauchen. Je größer der Druckabfall pro Strecke, um so langsamer!!! Speziell die letzten Meter, da dort der Druckabfall logischerweise am höchsten ist.
Nitrox hilft deswegen, weil weniger Stickstoff drin ist, mit dem sich die Gewebe aufsättigen können, denn der Sauerstoff wird ja verstoffwechselt.
ABER:
Wenn du die Grenzen des Gemisches ausreizt, das heißt auch deine Dekozeiten verkürzt bzw. dem geringeren Stickstoffgehalt anpasst, bist du wieder im selben Spiel.
Nitrox ist also in diesem Zusammenhang nur dann wirklich "besser" wenn du so tust, wie wenn du Luft hättest oder aber zumindest nicht voll ausreizt (z. B. bei EAN 32 Rechner auf 28 oder 30% einstellen---dann hast du Vorteile gegenüber Luft aber immer noch ein wenig Reserve)
Was aber immer noch am Besten ist: Vernünftige Planung, bei tieferen TG Deep-Stops einplanen (egal was irgendwelche Rechner sagen) und eben die letzten Meter sehr sehr langsam (darf von 10m bis raus durchaus mal 4 oder 5 Minuten dauern).
Tut nicht weh aber ist unheimlich gesund.
Antwort von Walter Ciscato am 20.11.2007 - 00:18 @Oliver2 > Diese Blasen entstehen an den Spitzen der Herzklappen durch Kavitation (einfach mal > googeln, falls es dich tiefer interessiert).
Diese Aussage "an den Spitzen der Herzklappen" höre ich zu ersten Mal. Woher hast du diese Information (Quellenangabe würde mich sehr interessieren). Gemäß meinem Wissensstand und auch vieler Studien, existieren Blasenkeime in der Größe von ca. 1 µm vorwiegend in den Körpergeweben wie: Sehnen, Faszien, Teile der Endothelzellen der Blutgefässe und werden von dort durch Kavitation in den Blutstrom gespült.
Grüße Walter
Antwort von Oliver2 am 20.11.2007 - 02:38 Hallo Walter,
Aschi erwähnt das in seinem Buch (Enzyklopädie des technischen Tauchens)
Grundlage dieser These ist (wohl), daß sich an künstlichen Herzklappen teilweise recht deutliche Korrossions- bzw- besser Erosionsspuren finden. Als dieses näher untersucht wurde, haben die das festgestellt.
Darauf basiert das ganze...es ist also sowas wie ein Rückschluß, denn am lebenden Objekt lässt sich das wohl nicht ganz so gut beobachten.
Google mal mit "Herzklappen, Kavitation", da bekommst du das alles.....
Antwort von Walter Ciscato am 21.11.2007 - 10:06 @Oliver2
Möglich, dass durch die Turbulenzen bei der Herzklappe auch Mikroblasen entstehen. Allerdings gehen folgende Literatur und Studien:
- Bennett and Elliott’s PHYSIOLOGY AND MEDICINE OF DIVING, 5th Edition (2003) - BLATTEAU J-E, SOURAUD J-B, GEMPP E, BOUSSUGES A. Gas nuclei, their origin, and their role in bubble formation Aviat Space Environ Med (2006); 77:1068 –76. - Z. Dujic, D.Duplancic, I. Marinovic-Terzic, D. Bakovic, V. Ivancev, Z. Valic, D. Eterovic, N. Petri, U. Wisløff and A. O. Brubakk Aerobic exercise before diving reduces venous gas bubble formation in humans J Physiol 555.3 (2004) pp 637–642 637 - Yount D.E., Gillary E.W., and Hoffman DC A Microscopic Investigation Of Bubble Formation Nuclei J. Acoust. Soc. Am (1984), 76: 1511-1521. - Yount D, Strauss R. On the evolution, generation and regeneration of gas cavitation nuclei. J Acoust Soc Am (1982), 65:1431–9. - usw. usw. usw.
davon aus, dass diese an den von mir erwähnten Stellen entstehen.
Grüße Walter
Antwort von Oliver2 am 21.11.2007 - 10:24 Hallo Walter....
wie gesagt, es ist eine Theorie, basierend -vermutlich- auf einem Rückschluß...
Ich denke, was für uns Taucher das Ergebnis sein sollte, ist:
-Mikrogasblasen sind an sich nix schlimmes, da sie im Körper auch unter Normalen Bedingungen vorkommen/vorkommen können.
-beim Tauchen allerdings können sie problematisch werden, weshalb wir sie nicht unberücksichtig lassen dürfen
-Es gibt erprobte Strategien, damit umzugehen und zwar so, daß sie uns "nix tun"
Ob du jetzt recht hast und der Rückschluß bezüglich der Herzklappen falsch, ob wir beide Recht haben oder wie auch immer ist nicht wirklich relevant. Wichtig ist, sich bezüglich Planung und Durchführung von Tauchgängen entsprechend zu verhalten.
Antwort von Walter Ciscato am 21.11.2007 - 17:20 @Oliver2 > eine Theorie, basierend -vermutlich- auf einem Rückschluß...
mhhhh besser man hat wissenschaftliche Studien, welche eine solche Theorie/Hypothese belegen kann
> Normalen Bedingungen vorkommen/vorkommen können.
Viele wissenschaftliche Studien (auch die oben aufgeführten) belegen, dass jeder Mensch diese Blasenkeime hat => ohne zu Tauchen...
Grüße Walter
Antwort von Oliver2 am 21.11.2007 - 18:34 @Walter...
> Normalen Bedingungen vorkommen/vorkommen können.
Viele wissenschaftliche Studien (auch die oben aufgeführten) belegen, dass jeder Mensch diese Blasenkeime hat => ohne zu Tauchen...
Sach nich doch....nru eben bei Druckentlastung wird`s u. U. seltsam.....und da wir das nicht wollen, sollte man das eben berücksichtigen...
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